{"id":223,"date":"2025-01-15T20:11:00","date_gmt":"2025-01-15T19:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/johannes-oswald.de\/?p=223"},"modified":"2025-11-19T20:21:27","modified_gmt":"2025-11-19T19:21:27","slug":"festrede-am-neujahrsempfangs-der-freien-waehler-im-landkreis-miltenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-oswald.de\/?p=223","title":{"rendered":"Festrede am Neujahrsempfangs der freien W\u00e4hler im Landkreis Miltenberg"},"content":{"rendered":"\n<p>Danke f\u00fcr die Gelegenheit etwas zur Wirtschaft aus Sicht eines Familienunternehmers beizutragen. Zun\u00e4chst werde ich auf die drei gr\u00f6\u00dften Wirtschaftsr\u00e4ume USA, China und Europa eingehen, anschie\u00dfend auf Deutschland, auf unsere B\u00fcrokratie und letztendlich darauf, was das mit jedem, von uns zu tun hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wirtschaft der letzte 25 Jahre<br><\/strong>Zumindest im R\u00fcckblick haben wir in Deutschland 25 wirtschaftlich sehr gute Jahre hinter uns. Die Globalisierung, d.h. die weltweite funktionierende Arbeitsteilung hat zu uns gepasst und vor allem konnten wir den wachsenden chinesischen Markt mit unsere Exportst\u00e4rke perfekt bedienen.<br>Doch wenn wir uns heute umsehen sehen wir vor allem einen Reihe von Dauerproblemen: Fl\u00fcchtlingskrise \u2013 Klimawandel &#8211; Krieg in Europa (noch vor kurzem unvorstellbar) &#8211; Demographie \u2013 anhaltende wirtschaftliche Schw\u00e4che (Schlusslicht im OECD Ranking der 38 wichtigsten demokratischen Staaten) \u2013 Eine zerbrochene Regierung \u2013Kriegsdrohungen aus dem Osten und Trump als zweifelhafte L\u00f6sung f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Demokratie der Welt im Westen. Als sicher geglaubte Gewissheiten schwinden. Letztlich hat uns der Gedanke geleitet, Demokratie in Kombination mit sozialer Marktwirtschaft, fairem Handel und milit\u00e4rischer Zur\u00fcckhaltung k\u00f6nnte zumindest langfristig zu einem besseren Leben f\u00fcr alle Menschen f\u00fchren \u2013 es fehlte h\u00f6chstens noch etwas mehr \u00f6kologisches Bewusstsein. Heute erleben wir, dass Demokratien in dieser Welt auf den R\u00fcckzug und Autokratien auf dem Vormarsch sind. Vor allem unsere Beziehung zu den zwei gr\u00f6\u00dften Wirtschaftsr\u00e4ume USA und China ver\u00e4ndert sich massiv.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>USA:<br><\/strong>Der ehemalige gro\u00dfe Bruder USA verwandelt sich immer mehr in eine unfreundliches Gegen\u00fcber und triftet Richtung Autokratie und Protektionismus ab. Der designierte Pr\u00e4sident fordert milit\u00e4rische Milliardenausgaben von Europa, klagt \u00fcber den Deutschen Export\u00fcberschuss und droht mit neuen Z\u00f6llen. Da hat er recht, tats\u00e4chlich haben wir einen Au\u00dfenhandels\u00fcberschuss von etwa 200Mrd \u20ac. Wir selbst erleben unsere deutsche Exportst\u00e4rke eher als Vorteil. Wer nichts anzubieten hat, kann auch nichts einkaufen. Export u. Import sind nicht mehr als ein gro\u00dfer weltweiter Tauschhandel. Wir ben\u00f6tigen vor allem Rohstoffen und Energie und exportieren Fahrzeuge, Maschinen und Chemieprodukte. Der Euroraum als Ganzes und das k\u00f6nnte der Blickwinkel der Amerikaner genauso sein, hat eine ausgeglichen Au\u00dfenhandelsbilanz. Im Gegensatz dazu hat die USA ein sattes Au\u00dfenhandelsdefizit von 1200 Mrd. $. Dennoch k\u00f6nnen sie in der Welt beliebig einkaufen \u2013 Warum eigentlich? Das gelingt nur, weil der Dollar die weltweite Leitw\u00e4hrung ist, mit der \u00d6l und Rohstoffe auf der Welt gehandelt werden. Die USA brauchen vereinfacht gesagt nur Dollar zu drucken und einzukaufen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>China:<br><\/strong>Mit Klugheit und Weitsicht hat China seine Bev\u00f6lkerung innerhalb von einer Generation aus der Armut in die Moderne geholt. Deutschland hat diesen atemberaubenden Aufstieg massiv bef\u00f6rdert. Leider haben vor allem finanzgef\u00fchrte Unternehmen und die Gro\u00dfindustrie im Blick auf Quartalszahlen und kurzfristige Profite Know-how gegen Ums\u00e4tze getauscht. Nur so, konnte China so schnell so konkurrenzf\u00e4hig werden.<br>Heute l\u00e4uft die Wirtschaft in China auch nicht mehr richtig rund. Wachstumszahlen von 8 \u2013 9 Prozent sind Vergangenheit, die aktuellen 5% sind vermutlich gesch\u00f6nt. China leidet unter einer satten Immobilienkrise, verschuldeten Konzernen, einer hohen Jugendarbeitslosigkeit und demographischen Problemen, wie wir. Dazu kommen existierende und drohende US \u2013 Z\u00f6lle und China sucht sein Heil im Export und macht uns inzwischen massiv Konkurrenz. Ein Teil unseres Problems. Gleichzeitig fordert China die USA heraus. Chinas erkl\u00e4rtes Ziel ist es zur 100 Jahrfeier 2049 die wirtschaftlich, milit\u00e4risch und ideologische Nummer eins zu sein, die Supermacht der Welt. Was diese aktuelle und drohende Auseinandersetzung f\u00fcr Europa bedeutet ist schwer vorhersehbar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorstellung Oswald<br><\/strong>Ich bin Familienunternehmer, Mittelst\u00e4ndler, wir geh\u00f6ren zum Maschinenbau und damit zur deutschen Exportindustrie. Wir haben 200MA und gemeinsam erwirtschaften wir etwa 40 Millionen Euro Umsatz. Wir haben nur diesen einen Standort, hier in Miltenberg. Wir bauen Motoren mit Leistungen bis 4MW und Drehmomenten bis 1Mio Nm. F\u00fcr unsere Kunden sind wir Probleml\u00f6ser. Wir sind entwicklungs- und innovationsgetrieben. Wenn wir die letzten 5 Jahre auf Entwicklungen verzichtet h\u00e4tten, w\u00e4ren wir heute vermutlich bei der H\u00e4lfte unsers Umsatzes.- Nebenbei: Umsatz und Gewinn sind Ergebnisse unserer Arbeit \u2013 im Fokus stehen, wie bei vielen Mittelst\u00e4ndlern, innovative Produkte und das Wohl der Firmenfamilie. Unsere MA, die vielfach die weltbesten Direktantriebe f\u00fcr verschiedene Branchen entwickeln und bauen, kommen aus Breitendiel, Umpfenbach, Kleinheubach, R\u00f6llbach, Eichenb\u00fchl, Amorbach, B\u00fcrgstadt, Miltenberg und weiteren Ortschaften der direkten Umgebung. \u2013 Neben klugen Ideengeber haben wir einf\u00fchlsame Ausbilder und verantwortungsbewusste Mitarbeiter und hoffnungsvolle Auszubildende &#8211; das ist ein gro\u00dfes Gl\u00fcck! &nbsp;&#8211; unsere Produkte werden gebraucht und ja, wir d\u00fcrfen wirksam sein in dieser Welt. Wir bieten Produktivit\u00e4tssteigerung und Energieeinsparung f\u00fcr unsere Kunden. Wir viele andere Markteilnehmer leitet uns die Frage: \u201eWie k\u00f6nnen wir mit m\u00f6glichst geringem Material-, Personal- und Energieeinsatz ein m\u00f6glichst optimales und verl\u00e4ssliches Produkt herstellen\u201c. Nicht zuletzt leben wir dabei von einem agilen Netz von Maschinenbauern, Lieferanten und Kunden in Deutschland und Mitteleuropa, direkter Kommunikation und kurzen Wegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>EU:<br><\/strong>Mit den USA und China ist Europa der dritte gro\u00dfe Wirtschaftsraum der Welt. Doch wir unterschieden uns von den ersten beiden deutlich. Der ehemalige franz\u00f6sische Au\u00dfenminister Vedrin hat unsere europ\u00e4ische Situation vor 20 Jahren wie folgt zusammen-gefasst. \u201eEuropa ist der Ort der 27 Zwergen, Europa ist gespalten &amp; z\u00f6gerlich, im Binnen-land ein Riese, weltpolitisch ein Zwerg, Europa diskutiert endlos, w\u00e4hrend andere handeln, Europa spricht von Souver\u00e4nit\u00e4t w\u00e4hrend die Nationalstaaten ihre Egoismus verteidigen\u201c.<br>Als Beispiel: Irland lebt von den europ\u00e4ischen Niederlassungen und Steuern multinationaler Unternehmen, die gerechterweise der ganzen EU zu Gute kommen m\u00fcssten. Die Niederlande sind ein Steuerparadies f\u00fcr Holdings &amp; Konzerne in Europa, die \u00f6stlichen Europ\u00e4er leben von landwirtschaftlichen F\u00f6rderungen und wir vom zollfreien Handelsplatz und g\u00fcnstigem Euro. Gemeinsame Interessen werden klein geschrieben und so befasst sich Br\u00fcssel folgerichtig vor allem mit internen Regulierung und moralischen Forderungen. W\u00e4hrenddessen gibt einerseits die USA die Richtung vor, andererseits dringt China nach Europa ein. Inzwischen besitzt China 10% der europ\u00e4ischen Hafeninfrastruktur. In 14 H\u00e4fen: Pir\u00e4us Zeebrugge, Valencia, Rotterdam, Bilbao, Marseille, Le Havre, Genua, Triest und nun 24,9% des Hamburger Containerhafens. In den letzten10 Jahren hat China etwa 260 dt. Firmen gekauft. Darunter Kraus Maffei, Putzmeister, Osram, Linde Hydraulics, Heidelberg Pharma, Dematic, Thyssenkrupp Elevator, Manz und Kuka etc.. Umgekehrt sch\u00fctzen China und die USA ihre eigene Infrastruktur und China sch\u00fctzt auch seine Firmen vor ausl\u00e4ndischer Einflussnahme.<br>Und wir Europ\u00e4er? Der Pr\u00e4sident der Helmholzgesellschaft zust\u00e4ndig f\u00fcr das KIT in Karlsruhe hat mir vor wenigen Jahren auf meine Frage nach China wie folgt geantwortet. Als KIT kooperieren wir aktuelle mit 100 Deutschen und 100 chinesischen Firmen. Ich frage warum tun wir das? Er antwortete, ich habe keinen anderslautenden Vorgaben. Schon 2009 hat uns China den Titel Exportweltmeister abgenommen \u2013 seit 1970 bis heute zahlen wir Entwicklungshilfe an China. Seit einiger Zeit nennen wir es Kooperation gegen den Klimawandel und 2025 wollen wir den Geldfluss einstellen.<br>Vor 1 Jahr war ich mit 60 DIHK &#8211; Industrievertretern in Br\u00fcssel. Ich musste erkennen. Wir Europ\u00e4er haben keine wirksame Au\u00dfen- &amp; Sicherheitspolitik, wir sind alleine nicht verteidigungsf\u00e4hig, moralisch hochtrabend und weltpolitisch unbedeutend. Nebenbei: ich bin dabei immer noch eine erkl\u00e4rter Europ\u00e4er!<br><br><strong>Deutschland:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zustand heute:<br><\/strong>Es geht uns gut, sehr gut! Warum? Seit 70 Jahren leben wir in Frieden in Mitteleuropa, wir haben einen funktionierenden Staat, eine einigerma\u00dfen effektive Verwaltung, eine gute Infrastruktur und nahezu kostenfrei Universit\u00e4ten und Hochschulen. Wir pflegen eine weltweit einzigartige duale Ausbildung und haben folgerichtig die besten Handwerker. Uns ordnet eine ma\u00dfvolle Polizei, wir leben in Rechtssicherheit, sind reich und einigerma\u00dfen gerecht (vgl. BIP und Gini Index). Wir leben in maximaler individueller Freiheit, wir arbeiten, bei freie Berufswahl, in einem riesigem Markt ohne Binnengrenzen. Wir haben eine moderne Industrie, eine lebenswerte Umwelt, ein g\u00fcnstiges Klima und saubere Luft. Letztes Jahr war ich in Neu Delhi und habe die Luft in Deutschlands St\u00e4dten neu sch\u00e4tzen gelernt. &#8211; Es geht uns sehr gut in Deutschland. Das darf &amp; muss mal gesagt werden! &nbsp;&nbsp;&#8211; <em>das ist der Moment zum Durchatmen !!! &#8211; <\/em>vielleicht geht es uns aber auch zu gut, und wir sollten mit der Work-Life-Balance nicht \u00fcbertreiben !!<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich lebe und arbeiten wir anders als die Menschen in anderen L\u00e4ndern:<br>Vergleich: Deutschland, USA und China:<br>Arbeitsstunden\/ Jahr 1350, 1800, 2500; Urlaubstage\/ Jahr: 30, 12, 8; Krankheitstage\/ Jahre 14, 9, 7<br>Um uns die aufgef\u00fchrten Werte leisten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssten wir die wenige Zeit die wir arbeiten h\u00f6chsteffizient sein! Im Blick auf die Produktivit\u00e4t im OECD Ranking sind wir in Deutschland jedoch nur etwas besser als mittelm\u00e4\u00dfig \u2013 das reicht nicht!<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Staat und Steuersystem?<br><\/strong>Was in die Kassen flie\u00dft wird von der Regierung umgehend wieder ausgegeben. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Steuereinnahmen und -ausgaben verdoppelt. Auch Inflationsbereinigt ist das ein Anstieg von 41%! Bei Steuern und Sozialabgaben belegen wir im OECD Ranking Platz 2. \u2013 f\u00fcr Arbeitnehmer bedeutet das satte Abgaben. Wenn ich richtig vergleichen habe, erhielt der abh\u00e4ngig Arbeitende Jahr 2000 etwa 65% Netto vom Brutto, heute sind es noch ca. 52%, in USA und China bleibt den Mitarbeitern etwa 70 -80% vom Brutto! Beispiel f\u00fcr einen Handwerker in Deutschland: Erh\u00e4lt ein Handwerker mit Steuerklasse 1 z.B. 25\u20ac Brutto, so zahlt der Arbeitgeber daf\u00fcr etwa 30\u20ac. Die Nettoauszahlung betr\u00e4gt etwa 15\u20ac\/ Stunde. Davon soll dieser Handwerker dann einen anderen Handwerker mit einem Stundensatz von etwa 70\u20ac bezahlen. Will er nicht schwarz arbeiten lassen, so muss er in Deutschland f\u00fcr eine fremde Handwerksstunde 4,3h arbeiten, in den USA etwa 3,7h, in der Schweiz 2,9h und in China 2,5h. Auch h\u00f6here L\u00f6hne w\u00fcrden nichts an diesem Verh\u00e4ltnis \u00e4ndern! D.h. wir brauchen mehr <strong>Netto vom Brutto. <\/strong>Das gelingt nur, durch niedrigere Steuern, geringere Sozialausgaben und weniger B\u00fcrokratie oder einfach weniger Staat. \u2013 In der Realit\u00e4t geschieht jedoch das Gegenteil: Die Staatsquote (Anteil der staatl. Ausgaben am BIP) ist in den letzten 10 Jahren von 44% auf 50% gestiegen. Die USA liegen bei 39% und China bei 35%. Dagegen ist die nominale Steuerbelastung f\u00fcr Unternehmen im OECD Vergleich bei uns am Allerh\u00f6chsten.<br><br><strong>Was f\u00e4llt den Politikern ein, um f\u00fcr Unternehmen attraktiv zu sein<\/strong>?<br>In den USA gibt es Steuererleichterung. Der IRA und die trump\u2018sche Brechstange Z\u00f6lle reduziert die Chancen f\u00fcr alle die, die nicht in USA produzieren. Die Schweiz bietet, wie die USA, den Unternehmen deutlich niedriger Steuern und sehr attraktive Abschreibungsmodelle f\u00fcr Investitionen und der Unternehmer, der die Gewinne nicht aussch\u00fcttet, sondern investiert, kann sein Geld in wenigen Jahren abschreiben. Deutschland dagegen sammelt das Geld von B\u00fcrgern und Unternehmen und verteilt es dann wieder, als Sozialausgaben und Subvention. Das ist meinen Damen und Herren riesiger Unterschied!<br>Aus den Zahnr\u00e4dern der Staatsm\u00fchle kommen von 1 Euro, den man oben reisschmei\u00dft unten 50 Cent raus, von 1 000 0000 \u20ac bleiben 500 000 \u20ac. Das ist der falsche Weg! Wir brauchen einen Staat der weniger einnimmt &amp; weniger ausgibt. &#8211; Das hat auch etwas mit unserem staatlichen Selbstverst\u00e4ndnis tun: Wenn in Bayern eine Stra\u00dfe gebaut wird, so wird ein gro\u00dfes Schild errichtet: \u201eHier baut der Freistaat Bayern \u2026, in den USA steht ein bescheidenes Schild am Stra\u00dfenrand mit der Aufschrift: \u201e your tax at work\u201c. Inzwischen wandern Firmen in die USA, ins benachbarte Europa und sogar ins Hochlohnland Schweiz aus um den hohen Steuern, und der langsamen &amp; \u00fcberbordenden B\u00fcrokratie zu entfliehen (die aktuelle Liste der Auswanderer erspare ich ihnen)<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Geschwindigkeit im Vergleich<br>(<\/strong>zwei Beispiele zu <a>Geschwindigkeit<\/a> u. Digitalisierung der dt. Verwaltung) Die Tochter eines Freundes hat f\u00fcr ein Auslandssemester ein F\u00fchrungszeugnis ben\u00f6tigt, und zwar zuf\u00e4llig gleichzeitig aus 3 L\u00e4ndern, in denen sie im letzten Jahr studiert hatte: Schweiz, Singapur, Deutschland. Das F\u00fchrungszeugnis aus der Schweiz kam nach 24 h digital, das aus Singapur nach 3 Tage ebenfalls digital. Nach vier zus\u00e4tzlich Mails, und drei automatisieren R\u00fcckmeldungen, kam aus Deutschland zun\u00e4chst nichts. Erst nach zwei weiteren Telefonaten mit dem Bundesamt f\u00fcr Justiz und dem f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten kam nach Wochen die Info, es w\u00e4re ein riesiger Stapel vorhanden, der immer nur montags bearbeitet wird &#8211; nach 8 Wochen kam das deutsche F\u00fchrungszeugnis per Post, eine Woche sp\u00e4ter die zugeh\u00f6rige Rechnung, wieder per Post. Das ist digitale Steinzeit!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Digitalisierung in Estland<br><\/strong>2002 hat die estnische Regierung ihren B\u00fcrgern ID-Karten \u00fcberreicht. Diese Karte ist gleichzeitig: Identit\u00e4tsnachweis, Gesundheitskarte, Reisedokument, rechtsverbindliche digitale Unterschriften, sie ist geeignet f\u00fcr Online-Beh\u00f6rdendienste, Anmeldung auf staatlichen Portalen und f\u00fcr die Steuererkl\u00e4rung, f\u00fcr Antrag auf Sozialleistungen, geeignet f\u00fcr politische Abstimmungen, Bankgesch\u00e4fte, den \u00f6ffentlichen Nahverkehr, nutzbar als Bibliothekskarte und Zugangskontrolle f\u00fcr Geb\u00e4ude. \u2013 Wir m\u00fcssten das nur kopieren!!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B\u00fcrokratie \u2013enorme Belastung f\u00fcr den Mittelstand<br><\/strong>Wir Deutschen regeln alles, bis ins letzte Detail. Damit verlieren wir Freiheit und wenn wir uns nicht an alle Vorgaben halten zus\u00e4tzlich unsere Rechtssicherheit. Es gibt irgendein singul\u00e4res Problem, so versuchen wir sofort f\u00fcr alle eine neue Regel zu erstellen. Vielfach liegt es an uns B\u00fcrgern selbst. Wir wollen alles aufs kleineste Detail ganz gerecht geregelt haben: Wirtschaft, Soziales, Energie und Umwelt.<br>Pers\u00f6nlich komme ich aus der gr\u00fcnen Generation \u2013 doch unsere Ideen aus den 80er und 90er Jahren sind heute in Gesetze, Vorschriften und Verordnungen gegossen und l\u00e4hmen unseren Standort, den Mittelstand und die Infrastrukturma\u00dfnahmen. Wir wollen immer besser werden, vor allem \u00f6kologisch und sozial und vernachl\u00e4ssigen mehr und mehr unsere wirtschaftliche Konkurrenzf\u00e4higkeit. Gef\u00fchlt w\u00e4chst die Anzahl der b\u00fcrokratischen Anforderungen exponentiell \u2013 von wegen \u201eone in one\u201c, \u201eeins rein &#8211; eins raus\u201c, vom viel zitierten B\u00fcrokratieabbau ist auf Firmenebene nichts zu sp\u00fcren. Dazu kommt, dass die neuesten Gesetze \u2013 immer mehr umfassende gro\u00dfe Regulierungen und immer mehr Schneeballsystem sind:<br><br><strong>Beispiel 1: Lieferkettengesetz:<br><\/strong>Es ist gut gemeint &#8211; f\u00fcr die Armen diese Welt, die Umwelt und uns schlecht gemacht \u2013 aus einem grob fahrl\u00e4ssiger Unfall in Bangladesch mit 1000 Toten (sehr bedauerlich) wurde ein deutsches und europ\u00e4isches B\u00fcrokratiemonstermit enormen Auswirkungen, vor allem f\u00fcr den Mittelstand .Unternehmer und Unternehmerverb\u00e4nde haben zusammen mit der FDP einige Regeln entsch\u00e4rfen k\u00f6nnen, vor allem die Beweislastumkehr. \u2013 Beispiel: Ein Jahr nach dem VW- Dieselskandal wurden wir von VW dringend aufgefordert Sklaven- und Kinderarbeit dringend bleiben zu lassen. Ich wei\u00df nicht ob ich dazu lachen oder weinen soll. &#8211; Habe ich die Verantwortung f\u00fcr die gesamte Lieferkette, so w\u00e4ren das, in meinem Fall, 1000 Lieferanten und mindestens 10 000 Vorlieferer. Tats\u00e4chlich drohen mir drastische Strafen und meine Rechtssicherheit geht verloren. In dieser Art von Schneeballsystem entstehen aktuell immer neue Gesetze!<br><br>B<strong>eispiel 2: Hin-SchG<br><\/strong>Das Denunziationsgesetz von 2023. Ok es hei\u00dft eigentlich Hinweisgeberschutzgesetz. D.h. wenn ich als Unternehmen Vorgaben des Staates nicht einhalte, so ermutigt der Staat meine Mitarbeiter mich anzuzeigen. Als Arbeitgeber bin ich dar\u00fcber hinaus verpflichtet meinen MA zu diesem Zweck einen digitale 24 h Plattform zur Verf\u00fcgung zu stellen, in der mich meine MA, vor mir selbst gesch\u00fctzt, anonym verpfeifen k\u00f6nnen. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vertrauen \u2013 Verantwortung<br><\/strong>Welches Unternehmensbild steckt hinter so einem Gesetz? Der Staat begegnet privatem Unternehmertum mit immer gr\u00f6\u00dferen Vorbehalten. Dabei bietet der Mittelstand mehr als 50% der Arbeitspl\u00e4tze, tr\u00e4gt direkt und indirekt f\u00fcr einen erheblich Teil des Steueraufkommens bei und finanziert so Sozialleistungen, Infrastruktur und Umweltprojekte. Unbeeindruckt davon versucht der Gesetzgeber mit einem immer engmaschigeren Netz von Kontrollen und Verpflichtungen private Unternehmen zu beaufsichtigen. &#8211; Ich erwarte, dass man uns Unternehmern das Vertrauen entgegenbringt, dass wir unseren Job ehrlich und gut machen. Im Gegensatz zu Gro\u00dfen Firmen und Dax Konzernen sind wir mittelst\u00e4ndische Unternehmer unseren MA pers\u00f6nlich bekannt und dem Standort verpflichtet. Wir leben meist vor Ort und haben einen guten Ruf zu verlieren. Wir denken langfristig, weil wir lebenslang in unseren Unternehmen arbeiten und es irgendwann an die n\u00e4chste Generation \u00fcbergeben wollen. D.h. auch die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde sprechen f\u00fcr uns Mittelst\u00e4ndler und Familienunternehmen Nat\u00fcrlich ist es auch wichtig, dass wir B\u00fcrger und Unternehmer den Politikern etwas zutrauen, dazu h\u00e4tte ich einen vertrauensbildenden Gesetzesvorschlag: Jeder, der sich als Abgeordnete aufstellen lassen will, muss zuvor 2-3 Jahre in einem Unternehmen gearbeitet haben, das im Wettbewerb steht. Denn auf diese Weise werden bei uns Steuern verdient, die die Politik sp\u00e4ter wieder ausgibt. Hier k\u00f6nnten Politiker die Regulierungen sp\u00fcren , die sie sp\u00e4ter verordnen. Dann und vor allem dann w\u00fcrde auch ich unseren Politikern mehr Vertrauen entgegenbringen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was m\u00fcssen wir tun um besser zu werden?<br><\/strong>Der EU empfehle ich ein gemeinsames Auftreten, eine gemeinsame Sicherheits- und Au\u00dfenpolitik sonst werden wir zwischen den Interessen der Gro\u00dfen zerrieben. Nach innen empfehle ich ein einheitliches Steuersystem. F\u00fcr die dt. Politik: Das Gute zu wollen ist nicht genug! &#8211; vor allem, wenn man Gesetzgeber ist. Wir brauchen:<br>1) Weniger Staatsausgaben<br>2) weniger Regulierungen<br>3) einfache verst\u00e4ndliche und erf\u00fcllbare Vorgaben<br>4) weniger Gesetzes\u00e4nderungen<br>5) deutlich h\u00f6here Bagatellgrenze um a) Handwerk und b) den Mittelstand vor \u00fcberbordenden B\u00fcrokratie zu sch\u00fctzen.<br>6) Beispiel nehmen, in Indien gibt es sogenannte wei\u00dfe Listen. D.h. Unternehmen die mehrere Jahre vertrauensw\u00fcrdig, gesetzeskonform, sozial und umweltvertr\u00e4glich arbeiten erhalten Steuererleichterungen oder werden von Berichtspflichten entlastet. Das w\u00e4re ein sch\u00f6ner Anreiz f\u00fcr den Mittelstand:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufgaben f\u00fcr uns B\u00fcrger:<br><\/strong>Uns allen empfehle ich neben Freude, Vergn\u00fcgen und Urlaub \u2013 die Tugenden zu pflegen, die Deutschland so erfolgreich gemacht haben: Flei\u00df, Disziplin, Pflichtbewusstsein, Unbestechlichkeit und Weltoffenheit allem voran aber die \u00dcbernahme der Verantwortung f\u00fcr unser eigenes ganz pers\u00f6nliches Handeln. Verantwortung und Regulierung sind Gegenpole \u2013 je verantwortlichere wir uns ganz pers\u00f6nlich verhalten &#8211; desto weniger Regulierungen brauchen wir. Dann wird es uns gelingen die vielen pers\u00f6nlichen, sozialen und unternehmerischen Herausforderungen zu bestehen und wir sind gut verbreitet f\u00fcr weitere 25 wirtschaftlich gl\u00fcckliche Jahre.<br><br>Danke!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Danke f\u00fcr die Gelegenheit etwas zur Wirtschaft aus Sicht eines Familienunternehmers beizutragen. 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