{"id":233,"date":"2025-12-03T12:03:00","date_gmt":"2025-12-03T11:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/johannes-oswald.de\/?p=233"},"modified":"2025-12-10T12:10:15","modified_gmt":"2025-12-10T11:10:15","slug":"eine-freiheitliche-demokratische-utopie-auf-dem-weg-in-den-selbst-gewaehlten-abgrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-oswald.de\/?p=233","title":{"rendered":"Eine freiheitliche demokratische Utopie auf dem Weg in den selbst gew\u00e4hlten Abgrund"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion hat der Westen die \u00dcberlegenheit der freiheitlich rechtlichen Demokratie frenetisch gefeiert. Ein offensichtlicher Sieg der Marktwirtschaft \u00fcber die kommunistische Planwirtschaft. Nun musste der Kapitalismus nur noch zun\u00e4chst sozial und sp\u00e4ter auch \u00f6kologisch gez\u00e4hmt werden. Die deutsche Demokratie wurde Blaupause f\u00fcr eine friedliche, gerechte und \u00f6kologische Welt! Die wirtschaftlich, moralische \u00dcberlegenheit unserer westlichen Gesellschafts- und Regierungsform war evident. Allein die US amerikanische, imperialistisch gepr\u00e4gte, Hegemonie war mit ihren Eingriffen in die Welt ein Sch\u00f6nheitsfehler im Bild der neuen heilen Welt. Wir waren hilflos, aber zumindest konnten wir uns regelm\u00e4\u00dfig und ungestraft dar\u00fcber emp\u00f6ren. Unscharf betrachtet war der gro\u00dfe Bruder im Westen mit uns auf dem richtigen Weg. Unser menschenverachtendes Erbe aus dem dritten Reich und die Pr\u00fcgel, die wir seither daf\u00fcr einstecken, hielten uns davon ab unsere wirtschaftliche \u00dcberlegenheit milit\u00e4risch und machtpolitisch auszubauen. Andererseits war und ist dieses Erbe Ansporn f\u00fcr uns fair, gerecht und vorbildlich in dieser Welt zu handeln. Deutschland, ein Musterknabe! Unser wirtschaftlich technisch \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber vielen anderen L\u00e4ndern bildete die, sich selbst best\u00e4tigen Grundlage, das die Globalisierung der sozialen Marktwirtschaft in Frieden und Gerechtigkeit f\u00fcr die ganze Welt f\u00fchrt: Wandel durch Handel und nach au\u00dfen fast immer vorbildlich! Parallel entwickelte sich eine weitere gro\u00dfe Aufgabe, Vorreiter f\u00fcr das Gute in der Welt zu sein: die drohende \u00f6kologische Katastrophe. Antiatomkraft, erneuerbare Energien, Nachhaltigkeit, CO2, Klimawandel, Artenschwund &nbsp;sind die Stichworte f\u00fcr die anstehende Mammutaufgabe f\u00fcr eine bessere Umwelt. &#8211;<br><br><strong>Energie: <\/strong>Endg\u00fcltig \u00fcberzeugt durch Fukushima, haben wir Deutschen der Welt gezeigt, dass Energieautarkie auch ohne Atomenergie geht. &#8211; Gegen besseres Wissen und ohne \u00e4u\u00dferen Druck haben wir unsere CO2 neutralen, abgeschriebenen Kraftwerke fahrl\u00e4ssig abgerissen. Wer, wenn nicht wir, k\u00f6nnten diese grandiose Aufgabe stemmen?<br>Dass billige Energie die Grundlage einer funktionierenden Marktwirtschaft ist, haben wir genauso ausgeblendet, wie die Tatsache, dass die Volatilit\u00e4t der sch\u00f6nen Erneuerbaren einen viele hunderte Milliarden schweren Netzausbau erfordern und hehre CO2 Ziele gleichzeitig in weite Ferne r\u00fccken. Im Ergebnis sind deutsche Energiekosten heute 2 &#8211; 2,5 mal so hoch wie in China und den USA unserer direkten wirtschaftlichen Konkurrenz.<br><br><strong>Rohstoffe: <\/strong>Einerseits ist Deutschland tats\u00e4chlich ein rohstoffarmes Land, andererseits binden wir uns selbst die H\u00e4nde, sollten wir auf etwas Wertvolles im Boden sto\u00dfen. Allein der Gedanke, in Deutschland irgendwo Bodensch\u00e4tze aus der Erde zu holen, ist schon ein Frefel. &#8211; So m\u00fcssen wir es eben anderen \u00fcberlassen, die weniger genau hinsehen oder einfach viel mehr Land haben als wir. Folgerichtig kaufen wir&nbsp; ein, im Austausch mit Autos, Technik-, Chemie- und Medizinprodukten, zumindest bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Knowhow: <\/strong>Bei der Weitergabe von Knowhow sind wir Deutschen ebenfalls \u00e4u\u00dferst effektiv. Seit Jahrzehnten verkaufen wir ein Hightechunternehmen nach dem anderen nach China, wie wenn es kein morgen g\u00e4be. Besonders gerne betreibt die Gro\u00dfindustrie Joint Ventures im Reich der Mitte, im vollen Bewusstsein, dass jeder Knowhow- Vorsprung dabei fl\u00f6ten geht. Deutsche Forschungseinrichtungen bilden die Speerspitze des Wissenstransfers und kooperieren mit gro\u00dfer Vorliebe mit China! Wenn ich mich dunkel erinnre, ist uns seit Jahrzehnten bekannt, dass ein Land , das kaum Rohstoffe und wenig Energie hat wirtschaftlich nur mit Knowhow -Vorsprung \u00fcberleben kann? Das blenden wir einfach aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>L\u00f6hne: <\/strong>Ja, wir haben sehr kluge K\u00f6pfe bei uns und ein hervorragendes Bildungssystem, auch wen wir es selbst gerne schlecht reden. Das Land der Denker, Dichter und vor allem der Ingenieure. &#8211; \u00dcber die Jahre haben wir, und das ist erst mal gut so, Geh\u00e4lter und Sozialleistungen nach oben getrieben, die Ungerechtigkeit f\u00fcr die Schw\u00e4cheren ausgeglichen und diese mit der Anhebung ihrer Sal\u00e4re salonf\u00e4hig gemacht. Soziale Marktwirtschaft eben, keine Raubtierkapitalismus! &#8211; Wollen wir jedoch Produktion im Land halten und Produkte exportieren, so d\u00fcrfen wir den Vergleich mit anderer L\u00e4nder nicht scheuen. \u2013 Und es f\u00e4llt auf, dass unsere Lohnkosten, Steuern, Sozialabgaben und sonstiger staatlicher Annehmlichkeiten weit \u00fcber denen vieler anderer L\u00e4nder liegen. Dar\u00fcber hinaus arbeiten wir vergleichsweise wenig Wochenstunden, sind h\u00e4ufig krank und genie\u00dfen eine Menge Urlaubstage.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit: <\/strong>Bis vor kurzem ist die Wirtschaft dennoch recht rund gelaufen. Vor allem der enorme chinesische Bedarf hat unsere westlichen Auftragsb\u00fccher gef\u00fcllt. Nun jedoch stehen wir vor einer anderen, neuen Welt und reiben uns verst\u00f6rt die Augen.<br>In k\u00fcrzester Zeit bricht vieles, was bisher gestimmt hat, in sich zusammen. In der sozialideologisch unterf\u00fctterten \u00dcberzeugung zu wissen, wie die Welt am besten funktioniert, haben wir alle Vorzeichen f\u00fcr einen grundlegenden Wandel in der Wind geschlagen. Nun stehen wir vor einem wirtschaftlich, ideologischen Scherbenhaufen, bei dem nichts mehr zusammenpasst. \u2013 Doch das Verr\u00fcckteste ist, wir merken es nicht einmal! &#8211; Wir befassten uns weiterhin mit sozialen und \u00f6kologischen Fragen und merken nicht, dass uns gerade das Fundament staatlicher Finanzierung, die eigene Wirtschaft entgleitet. &#8211; Na ja, mit Reichen- und Erbschaftssteuer lassen sich die ausufernden Staatsausgaben sicher noch ein paar Jahre finanzieren, bevor der industrielle Katzenjammer an die Ohren von Politikern und B\u00fcrgern dringt. Heute ist wichtig, ob vegane Wurst, Wurst hei\u00dfen darf oder dass echte Wurst unm\u00f6glich 10 m vom Lagerraum zur Verkaufstheke durchs Freie getragen werden darf. Die Deutsche B\u00fcrokratie, auf die ich heute nicht n\u00e4her eingehe, ist schier grenzenlos. Mit einem systematisch unterbewertetem Yuan, viel Flei\u00df, niedrigen Lohn- und Materialkosten und einer aggressiver Industriepolitik ist China auf der \u00dcberholspur und betrachtet uns nicht nur in Sachen Exporte l\u00e4ngst im R\u00fcckspiegel, w\u00e4hrend die deutsche Industrie auf der Stelle tritt. Autoindustrie und Maschinenbau, zwei ehemalige Vorzeigebranchen sind angez\u00e4hlt. Mit dem verzweifelte Versuch die Stahlindustrie zu retten, versetzte die Regierung beiden Branchen j\u00fcngst eine zus\u00e4tzlichen Tritt ins Kreuz. W\u00e4hrenddessen schwingt sich China geschickt zur Weltherrschaft auf, unterst\u00fctzt durch deutsche Forschungsinstitute und Joint Ventures, mit denen wir gerade unser letztes Know-how zu Markte tragen. Sch\u00f6ne neue Welt, ganz ohne Aldous Huxley oder George Orwell \u2026 denn, das ist noch eine ganz anderen Geschichte &#8230; &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion hat der Westen die \u00dcberlegenheit der freiheitlich rechtlichen Demokratie frenetisch gefeiert. Ein offensichtlicher Sieg der Marktwirtschaft \u00fcber die kommunistische Planwirtschaft. Nun musste der Kapitalismus nur noch zun\u00e4chst sozial und sp\u00e4ter auch \u00f6kologisch gez\u00e4hmt werden. Die deutsche Demokratie wurde Blaupause f\u00fcr eine friedliche, gerechte und \u00f6kologische Welt! 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