{"id":298,"date":"2026-08-21T11:49:43","date_gmt":"2026-08-21T09:49:43","guid":{"rendered":"https:\/\/johannes-oswald.de\/?p=298"},"modified":"2026-08-21T11:50:23","modified_gmt":"2026-08-21T09:50:23","slug":"handeln-anstatt-reden-europa-braucht-dringend-eine-eigene-wirtschaftsstrategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-oswald.de\/?p=298","title":{"rendered":"Handeln anstatt reden: Europa braucht dringend eine eigene Wirtschaftsstrategie!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber viele Jahrzehnte war der freie Welthandel Grundlage unseres wirtschaftlichen Handelns. Europa und vor allem Deutschland sind damit sehr gut gefahren. Aus Sicht des Maschinenbaus k\u00f6nnte man das vereinfacht so beschrieben: Deutschland und Europa haben produziert, China war die verl\u00e4ngerte Werkbank und die USA haben Dollar gedruckt und eingekauft. China konnte seine Armut besiegen und sich rasant entwickeln. Auch wir (D und EU) haben uns gut weiterentwickelt und mit den Gewinnen einen enormen Sozialstaat aufgebaut. Die USA waren seit dem Zusammenbruch der UdSSR die unangefochtene Supermacht und das reichste Land der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Welt hat sich ver\u00e4ndert. Was 35 Jahre richtig war, gilt heute nicht mehr. Im Verh\u00e4ltnis zu den USA und China existiert die regelbasierte Weltwirtschaftsordnung nicht mehr. Im Konflikt um die Vorherrschaft verfolgen beide Staaten knallhart wirtschaftlichen Interessen. Aus Sicht der Kontrahenten sind die sonstigen Staaten n\u00fctzliche oder st\u00f6rende Vasallen oder Kollateralsch\u00e4den der eigenen Strategie.<br>Seit Jahrzehnten verfolgt China eine langfristige Strategie zum Aufbau industrieller St\u00e4rke, kontrolliert gro\u00dfe Teile kritischer Rohstoffketten und nutzt seine wirtschaftliche Macht gezielt zur Durchsetzung seiner nationalen Interessen auf dem Weg zur Supermacht Nummer 1. Die USA unter Trump betreiben aktive St\u00f6r- und auch Industriepolitik und wollen sich wirtschaftlich wieder unabh\u00e4ngiger machen, um die Nummer 1 der Welt zu bleiben. Beide L\u00e4nder sch\u00fctzen ihre Schl\u00fcsseltechnologien, sichern sich Rohstoffe und f\u00f6rdern gezielt ihre Unternehmen. Was sie nicht selbst entwickeln k\u00f6nnen, kaufen sie in Form von Hightechfirmen in Europa. In den letzten 15 Jahren gingen \u00fcber 300 Firmen \u00fcber diese internationale Ladentheke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Um dem zu begegnen, brauchen wir eine europ\u00e4ische Au\u00dfenpolitik und eine europ\u00e4ische Wirtschaftspolitik <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gro\u00dfen Unternehmen Europas verkaufen ihr Tafelsilber, machen Kasse oder versuchen betriebswirtschaftlich zu \u00fcberleben. Die europ\u00e4ische und deutsche Politik schaut weg oder verwundert zu und konzentriert sich auf innere Querelen und die n\u00e4chsten Wahlen. Zur\u00fcckgelehnt im weichen Sessel des Sozialstaates und einer v\u00f6llig \u00fcberb\u00fcrokratisierten kleinen Welt schlie\u00dfen wir gef\u00fchlt die Augen, in der Hoffnung, dass der Sturm vor\u00fcbergeht.<br>Die Firmenverk\u00e4ufe an die beiden gro\u00dfen Player bleiben weitgehend unkommentiert. Wichtig ist uns der Umgang miteinander und mit der Umwelt. Wir befassen uns mit Tariftreue, Gendergerechtigkeit, Hinweisgeberschutzgesetzen, Sozialverordnungen, Gleichstellungsgesetzen, Sozialleistungen, Verpackungsverordnungen, CO\u2082-Gesetzen, CSRD-Regeln, Lieferkettengesetzgebung oder dem digitalen Produktpass. Die B\u00fcrokratie w\u00e4chst unaufhaltsam und reibt sich gen\u00fcsslich die H\u00e4nde. <br>Wir feiern die Reduzierung des industriellen CO\u2082-Aussto\u00dfes und ignorieren, dass wir Industriearbeitspl\u00e4tze abbauen und energieintensive Firmen aus Deutschland und Europa vertreiben. Doch sowohl in Osteuropa, der T\u00fcrkei, China oder Indien werden die gleichen Produkte nun mit viel mehr CO\u2082-Aussto\u00df produziert \u2013 Hauptsache, wir sind clean! Die Erde kann dazu allerh\u00f6chstens weinen.<br>W\u00e4hrend wir reden handeln China und die USA. Anstatt langfristiger industriepolitischer Ziele dominieren in Europa und Deutschland Einzelma\u00dfnahmen, kurzfristige Programme oder ideologisch gepr\u00e4gte Entscheidungen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Deutschland und Europa ben\u00f6tigen eine gemeinsame Wirtschaftsstrategie, die unsere wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit ebenso sch\u00fctzt wie unsere europ\u00e4ische Sicherheit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu einer solchen Strategie geh\u00f6ren insbesondere:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>der Schutz von europ\u00e4ischem Know-how in Industrie und Wissenschaft,<\/li>\n\n\n\n<li>der Schutz von Schl\u00fcsselindustrien und Hightech-Unternehmen vor \u00dcbernahmen,<\/li>\n\n\n\n<li>die langfristige Sicherung kritischer Rohstoffe und der Aufbau eigener europ\u00e4ischer Wertsch\u00f6pfungsketten,<\/li>\n\n\n\n<li>wettbewerbsf\u00e4hige Energiepreise, viel weniger B\u00fcrokratie und viel schnellere Genehmigungsverfahren.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der aktuelle Versuch der Politik, obige Aufgaben der betriebswirtschaftlich handelnden Industrie zu \u00fcbertragen, ist nicht zielf\u00fchrend. Beispiel: CRMA, Critical Raw Materials Act. Hier werden europ\u00e4ische Firmen ermutigt, die Rohstoffsicherung f\u00fcr Europa voranzutreiben. W\u00e4hrend die USA und China sich strategisch die Rohstoffe der Welt sichern, r\u00e4t Europa seinen Firmen: macht mal \u2026<br>2025 hat Brasilien seine gr\u00f6\u00dfte Mine f\u00fcr Seltene Erden dem Westen angeboten. Europa hat diskutiert, die USA haben den Deal gemacht. Vor etwa einem Monat wurde die einzige Firma in der westlichen Welt, die PM-Magnete erzeugen kann, kommentarlos aus Deutschland an die USA verkauft. Die US-Regierung hat das n\u00f6tige Kleingeld beigesteuert.<br>Nebenbei: PM-Magnete und die entsprechende Technologie brauchen wir f\u00fcr E-Mobilit\u00e4t, Windkraft, Robotik, Elektronik, Elektromotoren, Luft- und Raumfahrt, Drohnen und Milit\u00e4ranwendungen usw.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Um im Spannungsfeld der neuen Machtpolitik der Gro\u00dfen wirtschaftlich zu \u00fcberleben, brauchen wir dringend eine<\/strong> <strong>europ\u00e4ische Au\u00dfenpolitik und eine kluge <strong>Wirtschafts<\/strong>strategie!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland und Europa m\u00fcssen lernen, strategisch zu handeln. Wirtschaftliche St\u00e4rke ist die Grundlage unseres Wohlstands, unseres Sozialstaates, unserer technologischen Leistungsf\u00e4higkeit und letztlich auch unserer politischen Handlungsf\u00e4higkeit. Eine moderne EU-Wirtschaftsstrategie muss europ\u00e4ische Interessen ebenso konsequent vertreten, wie andere gro\u00dfe Wirtschaftsr\u00e4ume dies l\u00e4ngst tun. Sie muss Rohstoffe sichern, Schl\u00fcsselunternehmen sch\u00fctzen, industrielle Wertsch\u00f6pfung erhalten und gezielt jene Branchen f\u00f6rdern, die den gr\u00f6\u00dften Beitrag zu Besch\u00e4ftigung, Innovation, Steuer- und Sozialabgaben leisten. Nur so k\u00f6nnen Deutschland und Europa ihren Wohlstand, ihre industrielle Basis und ihre wirtschaftliche Souver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr die Zukunft sichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber viele Jahrzehnte war der freie Welthandel Grundlage unseres wirtschaftlichen Handelns. Europa und vor allem Deutschland sind damit sehr gut gefahren. Aus Sicht des Maschinenbaus k\u00f6nnte man das vereinfacht so beschrieben: Deutschland und Europa haben produziert, China war die verl\u00e4ngerte Werkbank und die USA haben Dollar gedruckt und eingekauft. China konnte seine Armut besiegen und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[14,4],"class_list":["post-298","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-europa","tag-wirtschaftspolitik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/johannes-oswald.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/298","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/johannes-oswald.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/johannes-oswald.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-oswald.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-oswald.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=298"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/johannes-oswald.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":300,"href":"https:\/\/johannes-oswald.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/298\/revisions\/300"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/johannes-oswald.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-oswald.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-oswald.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}