{"id":302,"date":"2026-09-19T20:02:07","date_gmt":"2026-09-19T18:02:07","guid":{"rendered":"https:\/\/johannes-oswald.de\/?p=302"},"modified":"2026-09-20T09:42:28","modified_gmt":"2026-09-20T07:42:28","slug":"der-pkw-ist-ausgeschlachtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-oswald.de\/?p=302","title":{"rendered":"Der PKW ist ausgeschlachtet"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ministerpr\u00e4sidenten der drei Autol\u00e4nder Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg und Niedersachsen treten gemeinsam f\u00fcr den Erhalt der Autoproduktion in Deutschland auf (Vgl. Artikel BR24 vom 17.09.26). Das ist ein hehres Ziel und l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llt. L\u00e4sst sich dem Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen in der deutschen Automobilindustrie und damit der deutschen Kernbranche noch etwas entgegenzusetzen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00fcckblicks und Ursachen:<br>Zun\u00e4chst d\u00fcrfen wir uns fragen: \u201eWarum sind die fern\u00f6stlichen Marktbegleiter so schnell so stark geworden?\u201c&nbsp;In Kurzform: Chinesischer Wille gepaart mit deutschem Know-how, leichtfertig weitergegeben gegen Cash, Umsatz, Boni und Reputation \u2026 oder etwas ausf\u00fchrlicher:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwas ausf\u00fchrlicher:<br>1.&nbsp;Seit etwa 2004 hat Deutschland zehn namhafte Autozulieferer nach China verkauft.&nbsp;Die gro\u00dfen dt. Autokonzerne VW, Mercedes und BMW haben diese Verk\u00e4ufe kommentarlos hingenommen &#8211; wohlwissend, dass dadurch viel Know-how direkt nach China flie\u00dft.&nbsp;<br>2. 2017 wurde KUKA nach&nbsp;China verkauft. KUKA-Roboter, ihre Techniken und Steuerungen arbeiten bei jedem dt.&nbsp;Automobilzulieferer und PKW-Hersteller,&nbsp;damals wie heute. Sie automatisieren Prozesse und sammeln Daten, seit 2017 exklusiv f\u00fcr China. Unger\u00fchrt haben Autoindustrie und Politik diesem Verkauf zugesehen.&nbsp;<br>3. Seit 20 Jahren werden deutsche Fahrzeugingenieure von ihren Chefs dezidiert angewiesen Know-how ungesch\u00fctzt&nbsp;an chinesische Tochterfirmen und Joint Ventures weiterzugeben. Dabei war und ist nichts heilig, denn der erwartete Umsatz in China ist wichtiger.&nbsp;<br>4. Vertreter deutsche Hochschulen haben intensiv an der Know-how Weitergabe nach China mitgearbeitet. Die Zusammenarbeit gipfelt in einer gemeinsamen deutsch- chinesischen Hochschule&nbsp;CDHAW&nbsp;in Shanghai. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel: Weitergabe von Ingenieur- Wissen von Deutschland nach China seit 20 Jahren. Deutschen Autobauer, die deutsche Regierung, und eine Menge Professoren haben nicht nur tatenlos zugesehen, sondern diesen Transfer aktiv gestaltet, als g\u00e4be es kein Morgen. Das Projekt l\u00e4uft bis heute, kostet Deutschland j\u00e4hrlich dreistellige Millionenbetr\u00e4ge Beteiligt sind Sie inzwischen 37 dt. Hochschulen \u2013 der Wissenstransfer Richtung China l\u00e4uft wie geschmiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischenfazit: Ohne fahrl\u00e4ssigen Know-how Weitergabe m\u00fcssten wir uns heute keine Gedanken \u00fcber die Zukunft der deutschen Autoindustrie machen. &#8211; richtig ist aber auch:&nbsp;Deutschland war nicht allein \u201enaiv\u201c. GM, Toyota, Honda, Nissan und PSA haben ebenfalls Know-how transferiert. VW+ Audi warn jedoch sehr fr\u00fch dabei, in enormer Gr\u00f6\u00dfenordnung und in besonders tiefer Lokalisierung. Dies gilt \u00e4hnlich f\u00fcr die Zusammenarbeit bei Universit\u00e4ten und Hochschulen, auch hier ist Deutschland nicht alleine Know-how \u00dcbertr\u00e4ger, aber in jedem Fall besonders intensiv und ganz vorne dabei.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum sind uns chinesische Autobauer heute \u00fcberlegen?<br>Material (Stahl, Kupfer, Magnete) sind in China etwa 40% billiger, die Energiekosten liegen etwa bei einem Drittel, Unternehmen werden in China 3-9 mal so stark subventioniert wie bei uns, die B\u00fcrokratie ist deutlich kleiner und die L\u00f6hne liegen bei etwa 50 % der unsrigen. &#8211; Der chinesische Yuan ist k\u00fcnstlich etwa 30% unterbewertet. <br>Chinesen arbeiten 60 Stunden die Woche, haben weniger Urlaub und sind weniger krank. Sie sind flei\u00dfig, weniger satt und wollen etwas erreichen.&nbsp;\u2013<br>Mit einem klaren jahrzehntelangen Knowhow Vorsprung k\u00f6nnten wir dem etwas entgegensetzten \u2013 aber den haben wir fahrl\u00e4ssig preisgegeben \u2013 unwiederbringlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was tun?\u00a0Antisubventionsz\u00f6lle?<br>Seit Jahren versuchen allen voran Italien und Frankreich europ\u00e4ische Antisubventionsz\u00f6lle gegen China einzuf\u00fchren. &#8211; Die deutsche Autoindustrie hat dies lange erfolgreich verhindert! Die Aussicht auf gute Gesch\u00e4fte in China war ihnen wichtiger als der heimische Markt.\u00a0<br>Erhalt deutscher Arbeitspl\u00e4tze? &#8211; Fehlanzeige, Arbeitsplatzerhalt ist tats\u00e4chlich kein intrinsisches Ziel der dt. Autoindustrie,\u00a0im Gegenteil:\u00a0VW, Mercedes und BMW sind heute vor allem internationale Konzerne, die genau da produzieren und entwickeln, wo es am schnellsten und g\u00fcnstigsten ist. &#8211;\u00a0<br>Wenn die Rahmenbedingungen f\u00fcr eine Produktion in Deutschland sehr gut sind, und nur dann, werden\u00a0VW und Co. auch wieder in ihre Standorte in Deutschland investieren. &#8211;\u00a0<br>Seit Oktober 24 sind EU- Antisubventionsz\u00f6lle auf Elektroautos aus China f\u00e4llig. Der durchschnittliche Importzoll liegt bei ca. 30% und wird kompliziert berechnet. Die US- Amerikaner machen das ganze pauschal und knallhart. Doch auch die europ\u00e4ische Variante zeigt Wirkung: Es gibt Ausweichbewegungen und China versucht einerseits vermehrt hybride Fahrzeuge nach Europa zu exportieren und andererseits Produktionswerke in der EU zu beziehen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Da stellt sich die Frage: Was ist ein europ\u00e4ischer PKW?<br>Ja, wir m\u00fcssen umzudenken und von Donald Trump lernen:\u00a0es kommt nicht auf Marke und Herkunft des PKWs an, sondern auf die Wertsch\u00f6pfung im eigenen Land (bzw. der EU). Trump\u00a0formulierte es etwa so: PKWs, die in anderern L\u00e4ndern produziert werden, werden in den USA hart besteuert. Subventioniert werden dagegen nur PKWs, die in US-Amerika endmontiert werden. \u2013 Nebenbei: Franzosen haben ein CO2\u00a0Konstrukt geschaffen, um ausschlie\u00dflich franz\u00f6sische Autos zu f\u00f6rdern und wir? wir f\u00f6rdern aktuell jedes Elektroauto, egal wo es herkommt oder gefertigt wurde, Hauptsache der K\u00e4ufer in Deutschland ist arm. Das ist eine feine Sozialpolitik &#8211; mit Wirtschaftspolitik hat das nichts zu tun!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Helfen reziproke Vorgaben?<br>In dieser neuen Wirklichkeit, in der volkswirtschaftlich betrachtet nur die PKWs gut sind, die in der EU produziert werden und viele europ\u00e4ische Vorlieferanten haben, d\u00fcrften wir sogar die \u00dcbergabe deutscher Produktionswerke an Leapmotor und BYD neu bewerten und ggf. bef\u00fcrworten? &#8211; Wenn ja, sollten wir umgehend eindeutige Voraussetzungen definieren: Wenn&nbsp;chinesische Autobauer in Europa produzieren, so sollten sie unter den gleichen Bedingungen arbeiten m\u00fcssen, wie deutsche Firmen in China. D.h.&nbsp;in Joint Ventures und mit Knowhow- \u00dcbertragung an Europa und einem&nbsp;wesentlichen Teile der Wertsch\u00f6pfung in der EU.&nbsp;Soweit die Erkenntnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umsetzung:<br>Z\u00f6lle, Joint Venture Zwang, verpflichtende Know-how \u00dcbertragung etc.,\u00a0das alles kommt nicht von allein, dazu ben\u00f6tigen wir klare politische Entscheidungen, sonst k\u00f6nnte es uns im Extremfall wie Afrika ergehen. Dort arbeiten chinesische Firmen mit chinesischen\u00a0Mitarbeitern und chinesischen Zulieferteilen ohne die L\u00e4nder vor Ort zu beteiligen.\u00a0D.h. wir m\u00fcssen sofort handeln, denn\u00a0Billigelektroautos, Made in China, oder auch bald teilweise \u201eMade in Europe\u201c dr\u00e4ngen massiv auf den deutschen Mark und geschaffene Tatsachen sind bekannterma\u00dfen nur schwer zur\u00fcckdrehen \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verbrenner:\u00a0<br>Nebenbei, ob es in Zukunft noch PKWs mit Verbrennern auf deutschen Stra\u00dfen geben wird oder nicht, wird an dem Geschildert wenig \u00e4ndern. Wenn wir nichts besseres zu tun h\u00e4tten, k\u00f6nnten wir dar\u00fcber gerne weiter streiten. An der Zukunft der Autoproduktion wird das nichts \u00e4ndern.<br><br>Sehr geehrte EU- Politiker,\u00a0sehr geehrte\u00a0Ministerpr\u00e4sidenten, wir d\u00fcrfen auf\u00a0eure zeitnahe Umsetzungskraft gespannt sein, denn auf die wird es ankommen!\u00a0Wenn ihr weiterdiskutiert, anstatt klare Rahmenbedingungen zu verabschieden, wird das\u00a0chinesische Automobilzeitalter rechts\u00a0und links an uns vorbeirollen, mit unabsehbaren Konsequenzen f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze, Gesellschaft und Demokratie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und noch ein Tipp:&nbsp;<br>Macht nicht wieder den Bock zum G\u00e4rtner:&nbsp;Sucht euch Berater, die ihre Boni nicht von den gro\u00dfen deutschen Autobauern erhalten. Ihre Ziele haben mit den wirtschaftspolitischen Themen Deutschlands und Europas wenig gemein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ministerpr\u00e4sidenten der drei Autol\u00e4nder Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg und Niedersachsen treten gemeinsam f\u00fcr den Erhalt der Autoproduktion in Deutschland auf (Vgl. Artikel BR24 vom 17.09.26). Das ist ein hehres Ziel und l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llt. L\u00e4sst sich dem Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen in der deutschen Automobilindustrie und damit der deutschen Kernbranche noch etwas entgegenzusetzen? 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