{"id":83,"date":"2016-10-31T17:18:00","date_gmt":"2016-10-31T16:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/johannes-oswald.de\/?p=83"},"modified":"2025-11-11T16:27:26","modified_gmt":"2025-11-11T15:27:26","slug":"statement-zum-chinageschaeft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-oswald.de\/?p=83","title":{"rendered":"Statement zum Chinagesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"\n<p>Mein Name ist Johannes Oswald, ich bin Unternehmer in dem Miltenberger Familienunternehmen\u00a0 Oswald Elektromotoren. Wir entwickeln und bauen zusammen mit etwa 100 Mitarbeitern Elektromotoren f\u00fcr die Industrie. Im Fr\u00fchjahr 2004 hatte ich die Gelegenheit einen Chinesischen Industriepartner zu besuchen. Bei dieser kurzen Chinareise konnte ich mit Erstaunen feststellen, dass China nicht nur ein enormes Wirtschaftswachstum hat, sondern, dass u. a. St\u00e4dteplanung mit Verstand und Geschmack vollzogen wird. Hier kn\u00fcpft eines der bedeutendsten Kulturv\u00f6lker ganz offensichtlich an eine selbstbewusste und traditionsreiche Vergangenheit an. Ich habe ganz pers\u00f6nlich, ausgesuchte Gastfreundschaft erfahren und das soziale Engagement eines Gro\u00dfunternehmens kennengerlernt, von dem sich einige deutsche Unternehmer etwas abschneiden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doch was bedeutet China f\u00fcr mich als Mittelst\u00e4ndler?<\/strong><br>Nach eingehender Diskussion der verschiedenen M\u00f6glichkeiten war ich aufgefordert mich in einem Minderheit \u2013 Joint Venture zu beteiligen, in dem ich das Know-how und mein viel gr\u00f6\u00dferer chinesischer Partner das Kapital einbringen wollte.<br>Mein deutscher Partner, der gerade seine know \u2013 How dort zur Markte tr\u00e4gt wollte mich \u00fcberreden mitzumachen, die niedrigen L\u00f6hne auszunutzen um selbst g\u00fcnstiger bei mir einkaufen zu k\u00f6nnen. Nach reiflicher \u00dcberlegung habe ich freundlich abgesagt. Heute verkaufen wir Motoren aus Deutschland \u00fcber unsere deutschen Kunden nach China und wir kaufen hochwertige Magnete aus China ein. Ich halte etwas von einem fairen, auf Partnerschaft angelegten, Miteinander. China hat uns vieles zu bieten und wir haben China etwas zu bieten, z. B. moderne Technik.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland ist sehr stark im Maschinenbau. Das liegt an der Kompetenz einzelner Unternehmen, z. B. der Firma Reis, es liegt aber auch daran, dass viele Spezialisten auf engem Raum miteinander arbeiten und miteinander vernetzt sind.<br>Ich beziehe z. B. Alu-Motorgeh\u00e4use aus Gro\u00dfheubach und lasse sie in Amorbach oder Kleinheubach bearbeiten. 3 meiner 4 gr\u00f6\u00dften Kunden sind im Umkreis von 100 km angesiedelt, \u2026 noch!<br>Eine solche N\u00e4he und Vernetzung von Unternehmen bringt entscheidende Entwicklungen in k\u00fcrzester Zeit zustande und das hei\u00dft technologischen Vorsprung. Gemeinsam sind wir konkurrenzf\u00e4hig, trotz hohen Lohn- und Lohnnebenkosten. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.<br>China bietet aus wirtschaftlicher Sicht zwei Dinge, die jedoch oft direkt ineinander greifen. Ein riesiger neuer Markt will und kann bedient werden und L\u00f6hne im Bereich von 5 bis 10 % unsere L\u00f6hne und kapitalistisch traumhafte Rahmenbedingungen locken zur Produktionsverlagerung. Auf Letzteres will ich blicken. Meine Damen und Herren, ich halte es aus Sicht der Deutschen Volkswirtschaft f\u00fcr unverantwortlich, unmoralisch und leichtfertig Produktionen oder ganze Unternahmen ins billige Ausland zu verlagern, denn:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>nach der Produktion geht die Konstruktion, die Entwicklung und <br>letztendlich wird das eigene Know-how abwandern.<\/li>\n\n\n\n<li>Mitarbeiter die seit Jahrzehnten Verantwortung \u00fcbernommen <br>haben ziehen unvermittelt den K\u00fcrzeren.<\/li>\n\n\n\n<li>Und dann frage ich sie: Wo sollen ihre Kinder einmal arbeiten?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Verlagerung von Arbeitspl\u00e4tzen nimmt derzeit traumatische Z\u00fcge an. In ist es, derzeit der Masse zu folgen, die suggeriert, wer nicht verlagert liegt nicht im Trend, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Nat\u00fcrlich gibt es Zw\u00e4nge, auch bei uns, massive Zw\u00e4nge und Notwendigkeiten, die manche zu einem solchen Schritt bringen. Zu viele Zeitgenossen sind jedoch allein auf der Suche nach kurzfristigem Erfolg unterwegs in den Billiglohnl\u00e4ndern wie China, Tschechien, Ungarn oder Rum\u00e4nien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich bin gegen den Ausverkauf deutscher Technik zugunsten kurzfristiger Gesch\u00e4ftserfolge. <\/strong><br>Das hei\u00dft: Der Technologiestandort Deutschland \u00fcberlebt nicht oder nur mit massiven Abstrichen, wenn wir alleine den Eink\u00e4ufern oder Managern mit Eink\u00e4ufermentalit\u00e4t die wirtschaftlichen Entscheidungen \u00fcberlassen. Da sehe ich echt schwarz.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel: Vor kurzem musste ich mir von einem Kunden ins Gesicht sagen lassen: Herr Oswald, sie bieten uns zwar die beste technische L\u00f6sung, aber wir k\u00f6nnen ihr Produkt nicht kaufen, weil wir es preislich nicht vergleichen k\u00f6nnen! ? Wir warten bis ihr Mitbewerber in etwa einem halbe Jahr mit ihnen gleichgezogen hat, daf\u00fcr haben sie doch Verst\u00e4ndnis oder? \u00a0Ich habe f\u00fcr so was \u00fcberhaupt kein Verst\u00e4ndnis! \u201aUnsere \u00dcberlebenschance am Markt\u2018 (in Deutschland im Maschinenbau f\u00fcr etwas anderes kann ich nicht sprechen) besteht darin den entscheidenden Technologievorsprung zu halten und wichtige Entscheidungen nicht von Eink\u00e4ufern sondern von Unternehmern mit Mut und technischen Sachverstand treffen zu lassen. Dankesch\u00f6n!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Name ist Johannes Oswald, ich bin Unternehmer in dem Miltenberger Familienunternehmen\u00a0 Oswald Elektromotoren. Wir entwickeln und bauen zusammen mit etwa 100 Mitarbeitern Elektromotoren f\u00fcr die Industrie. Im Fr\u00fchjahr 2004 hatte ich die Gelegenheit einen Chinesischen Industriepartner zu besuchen. 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