In den letzten Jahren hat sich das Reich der Mitte in vielen Bereichen von der Werkbank der Welt zum wirtschaftlichen Weltmarktführer entwickelt. Vor allem auf klassisch deutschen Exportmärkten, wie dem Maschinenbau, der Automobil- und Chemieindustrie ist China innerhalb von einer Generation die Nummer eins geworden – durch Fleiß, Klugheit und kräftige Unterstützung aus Deutschland. Aus einem schier endlosen östlichen Markt erwuchs und erwächst unser härtester Marktbegleiter. Unser deutsches Außenhandelsdefizit mit China beträgt aktuell etwa 35 %, Tendenz stark steigend. Das Defizit selbst (90 Mrd. €) ist derzeit etwa so groß wie unser Export (80Mrd.€) nach China.
In den letzten 20 Jahren konnten Deutsche Unternehmen einerseits hervorragende Umsätze auf dem chinesischen Markt erzielen, andererseits haben wir substanziell auf dreifache Weise Know-how geteilt und Marktvorteile verspielt – und wir tun dies weiterhin ungebremst:
a) Im Tausch gegen wenige Jahre Umsatz tragen Manager deutscher Großkonzerne das Know-how aus jahrzehntelangen Entwicklungen ihrer Firmen nach China. Marktwirtschaftlich verständlich, volkswirtschaftlich betrachtet, ein miserables Geschäft für Deutschland und Europa.
b) Äußerst clever kaufen chinesische Staatsbetriebe seit 15 Jahren, nahezu ohne jeden Widerstand, große und kleine deutsche Hightech Unternehmen. Marktwirtschaftlich verständlich, volkswirtschaftlich betrachtet, ein miserables Geschäft für Deutschland und Europa.
c) Vertreter deutscher Universitäten und Forschungsinstitut arbeiten besonders gerne mit chinesischen Unternehmen zusammen, denn China bietet bürokratiefreie Forschung und viele Partner, die hungrig sind und etwas erreichen wollen. – Reputation für deutsche Professoren und Knowhow- Zuwachs für China – aus deutschen Steuergeldern finanziert. Aus individueller, universitärer Sicht verständlich, volkswirtschaftlich betrachtet ein enormer Knowhow Braindrain und ein miserables Geschäft für Deutschland und Europa.
d) Junge Menschen aus China machen an deutschen Hochschulen das größte Kontingent ausländischer Studierender aus. Vorzugsweise studieren sie MINT- Fächer. Sie kehren zu 80% nach China zurück. Deutschland unterstützt die Studierenden intensiv. Das KIT z.B. (technisch- naturwissenschaftlich ausgerichtet) hat 21% internationale Studierende, davon 27% aus China. Ist das ok oder im obigen Zusammenhang fahrlässig? – ich will es nicht bewerten.
Experten schätzen, dass wir unseren letzten noch vorhandenen Know-how – Vorsprung in etwa zehn Jahren verloren haben werden.
Sehr geehrte Politiker, Manager und Professoren, das war und ist kein Automatismus, dem wir uns widerstandslos ergeben müssten! China ist seit etwa 15 Jahren unser herausforderndster Mitbewerber auf dem Weltmarkt, in China selbst und auf dem Europäischen Markt. Es bietet seinen Unternehmen niedrigere Löhne, günstigere Energie, niedrigere Rohstoffpreise und eine bessere Digitalisierung. – Ohne Knowhow Vorsprung sind Unternehmen aus Deutschland heraus nicht konkurrenzfähig.
Politische Entscheider haben es in der Hand, ob wir in Deutschland und Europa unsere Industrie erhalten oder verlieren werden. Es ist kurz nach zwölf und die zu erwartenden gesellschaftlichen Folgen sind dramatisch, denn Industrie- und industrienahe Dienstleistungen erwirtschaften ein Großteil der Steuern und Sozialbeiträge, aus denen wir unseren ökologischen und sozialen Errungenschaften finanzieren.