Mit Recht wird aktuell in Deutschland beklagt, dass die Mieten vor allen in den Ballungszentren enorm teuer sind und der verfügbare Wohnraum zu gering.
Bevor wir jedoch linken Ideen folgen und eine massive Deckelung der Mietkosten beschließen, sollten wir auf die Ursachen der Misere schauen und handeln.
Drei wesentliche Hintergründe möchte ich aufführen.
1) In der Süddeutschen Zeitung erschienen jüngst der Artikel: „Krise am Immobilienmarkt: Viele Wohnungen entstehen laut Analyse oft dort, wo sie kaum gebraucht werden“. – … im ländlichen Bereich. Ich widerspreche dieser kurzfristigen Analyse eindeutig.
Ende der Achtzigerjahre war ich länger in Südamerika und habe erlebt, was es heißt, wenn viele Menschen in die Städte ziehen und in Slums enden. Der Hintergrund dieser Fluchtbewegung war und ist der völlig unterentwickelte ländliche Bereich. Keine Arbeitsplätze, keine befestigten Straßen, keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Schulen, keine Krankenhäuser, reine Subsistenzwirtschaft.
Damals habe ich verstanden, wie genial Föderalismus, Dezentralisierung und Entwicklung des ländlichen Raums in Deutschland sind.
Seit langem schaue ich mit Sorge auf die wachsende Zentralisierungen in Deutschland. Berlin, München und andere Großstädte sind Magnete für den Zuzug. Hintergrund ist jedoch nicht primär die höhere Attraktivität der Städte, sondern eine Regierungspolitik, die Machtzentren schaffen will und die Genialität deutscher Dezentralisierung schlicht vergessen hat.
Wenn ausländische Kunden in unsere Firma kommen, staunen Sie immer wieder, das in Deutschland Hightechfirmen im ländlichen Raum existieren und keine Niederlassung in Berlin oder München brauchen.
In Obernburg sollte vor etwa zehn Jahren nach neuen archäologischen Funden ein Mainlimes-Museum entstehen. Die Kosten von 1,5 Mio. Euro hätten die Stadt Obernburg finanziell überfordert das Projekt wurde begraben. Die fränkischen Artefakte wurden großzügig von der archäologischen Staatssammlung München übernommen und eingelagert. Wenige Jahre später hat die Landeshauptstadt eine neue archäologische Staatssammlung für 66 Millionen € gebaut. Das Münchner Stadtmuseum wird aktuell für 100 Millionen € saniert. – Alternativ ließen sich etwa 100 kleinere Museen in Bayern bauen und die ländlichen Regionen stärken.
Viele weitere Entscheidungen, zu Hochschulstandorten Verwaltungsstelle etc. führen zur immer größere Zentrierung Richtung München und die Menschen passen sich an und ziehen in die Städte. Wohnungsnot und die hohen Mieten in den Zentren sind Ergebnisse dieser Politik. Die Problem in München sind hausgemacht!
2) Wohlstand, Sicherheit, ökologische Standards haben die Baupreise explodieren lassen. Beispiel Ökologie: Die Deutschen sind Meister im Energiesparen, zumindest in ihren Köpfen. Folgerichtig wurden die Bedingungen für Haus und Wohnungsbauer in den letzten 20 Jahren enorm in die Höhe geschraubt. Die Vorgaben für förderfähige Isolationshülle neuer Häuser, Heizungen, Brandschutz, Schallschutz, Statik etc. sind völlig überzogen, führen zu enormen Baukosten und letztendlich zu hohen Mieten.
In der letzten Zeit war ich geschäftlich in Norwegen und Belgien und auch privat in verschiedenen Ländern. Ich habe keine Häuser und Hotels gesehen, die an unseren Standard herankommen. Nun wundern wir uns, dass Wohnungen teuer und für ärmere Mieter kaum bezahlbar sind?
3) Der ausgeprägte Individualismus in Deutschland führt dazu, dass keiner seine vier Wände mit anderen teilen will. Selbst mit den Eltern im gleichen Haus wohnen ist verpönt. Jeder einzelne beansprucht immer größere Flächen für sich und der Bedarf an Wohnraum wächst. In unserer alternden Gesellschaft leben viele Paare und Einzelpersonen in großen Häusern mit enormem Wohnraum.
Ergebnis:
Um günstige Mieten zu ermöglichen, müssen dringend mutige Schritte der Dezentralisierung von Institute, Universitäten, Verwaltungszentren und sonstigen öffentliche Einrichtungen erfolgen.
Überzogene Bauvorgaben sollten dringend reduziert und entbürokratisiert werden, so dass Wohnraum auch von weniger Vermögenden, kostengünstig gebaut werden kann. Ein höherer Eigenheimanteil wäre sehr wünschenswert und sollte vom Staat deutlicher unterstützt werden
Das Schwierigste ist wohl der Weg zurück aus der oft vereinsamenden Individualisierung, ein Ergebnis unserer Wohlstandsgesellschaft, in der scheinbar alles geregelt ist und keiner mehr den anderen für irgendetwas braucht. Etwas mehr wir anstatt ich täte unsere Gesellschaft sehr gut.