Die Ministerpräsidenten der drei Autoländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen treten gemeinsam für den Erhalt der Autoproduktion in Deutschland auf (Vgl. Artikel BR24 vom 17.09.26). Das ist ein hehres Ziel und längst überfällt. Lässt sich dem Verlust von Arbeitsplätzen in der deutschen Automobilindustrie und damit der deutschen Kernbranche noch etwas entgegenzusetzen?
Rückblicks und Ursachen:
Zunächst dürfen wir uns fragen: „Warum sind die fernöstlichen Marktbegleiter so schnell so stark geworden?“ In Kurzform: Chinesischer Wille gepaart mit deutschem Know-how, leichtfertig weitergegeben gegen Cash, Umsatz, Boni und Reputation … oder etwas ausführlicher:
Etwas ausführlicher:
1. Seit etwa 2004 hat Deutschland zehn namhafte Autozulieferer nach China verkauft. Die großen dt. Autokonzerne VW, Mercedes und BMW haben diese Verkäufe kommentarlos hingenommen – wohlwissend, dass dadurch viel Know-how direkt nach China fließt.
2. 2017 wurde KUKA nach China verkauft. KUKA-Roboter, ihre Techniken und Steuerungen arbeiten bei jedem dt. Automobilzulieferer und PKW-Hersteller, damals wie heute. Sie automatisieren Prozesse und sammeln Daten, seit 2017 exklusiv für China. Ungerührt haben Autoindustrie und Politik diesem Verkauf zugesehen.
3. Seit 20 Jahren werden deutsche Fahrzeugingenieure von ihren Chefs dezidiert angewiesen Know-how ungeschützt an chinesische Tochterfirmen und Joint Ventures weiterzugeben. Dabei war und ist nichts heilig, denn der erwartete Umsatz in China ist wichtiger.
4. Vertreter deutsche Hochschulen haben intensiv an der Know-how Weitergabe nach China mitgearbeitet. Die Zusammenarbeit gipfelt in einer gemeinsamen deutsch- chinesischen Hochschule CDHAW in Shanghai. Ihr erklärtes Ziel: Weitergabe von Ingenieur- Wissen von Deutschland nach China seit 20 Jahren. Deutschen Autobauer, die deutsche Regierung, und eine Menge Professoren haben nicht nur tatenlos zugesehen, sondern diesen Transfer aktiv gestaltet, als gäbe es kein Morgen. Das Projekt läuft bis heute, kostet Deutschland jährlich dreistellige Millionenbeträge Beteiligt sind Sie inzwischen 37 dt. Hochschulen – der Wissenstransfer Richtung China läuft wie geschmiert.
Zwischenfazit: Ohne fahrlässigen Know-how Weitergabe müssten wir uns heute keine Gedanken über die Zukunft der deutschen Autoindustrie machen. – richtig ist aber auch: Deutschland war nicht allein „naiv“. GM, Toyota, Honda, Nissan und PSA haben ebenfalls Know-how transferiert. VW+ Audi warn jedoch sehr früh dabei, in enormer Größenordnung und in besonders tiefer Lokalisierung. Dies gilt ähnlich für die Zusammenarbeit bei Universitäten und Hochschulen, auch hier ist Deutschland nicht alleine Know-how Überträger, aber in jedem Fall besonders intensiv und ganz vorne dabei.
Warum sind uns chinesische Autobauer heute überlegen?
Material (Stahl, Kupfer, Magnete) sind in China etwa 40% billiger, die Energiekosten liegen etwa bei einem Drittel, Unternehmen werden in China 3-9 mal so stark subventioniert wie bei uns, die Bürokratie ist deutlich kleiner und die Löhne liegen bei etwa 50 % der unsrigen. – Der chinesische Yuan ist künstlich etwa 30% unterbewertet.
Chinesen arbeiten 60 Stunden die Woche, haben weniger Urlaub und sind weniger krank. Sie sind fleißig, weniger satt und wollen etwas erreichen. –
Mit einem klaren jahrzehntelangen Knowhow Vorsprung könnten wir dem etwas entgegensetzten – aber den haben wir fahrlässig preisgegeben – unwiederbringlich.
Was tun? Antisubventionszölle?
Seit Jahren versuchen allen voran Italien und Frankreich europäische Antisubventionszölle gegen China einzuführen. – Die deutsche Autoindustrie hat dies lange erfolgreich verhindert! Die Aussicht auf gute Geschäfte in China war ihnen wichtiger als der heimische Markt.
Erhalt deutscher Arbeitsplätze? – Fehlanzeige, Arbeitsplatzerhalt ist tatsächlich kein intrinsisches Ziel der dt. Autoindustrie, im Gegenteil: VW, Mercedes und BMW sind heute vor allem internationale Konzerne, die genau da produzieren und entwickeln, wo es am schnellsten und günstigsten ist. –
Wenn die Rahmenbedingungen für eine Produktion in Deutschland sehr gut sind, und nur dann, werden VW und Co. auch wieder in ihre Standorte in Deutschland investieren. –
Seit Oktober 24 sind EU- Antisubventionszölle auf Elektroautos aus China fällig. Der durchschnittliche Importzoll liegt bei ca. 30% und wird kompliziert berechnet. Die US- Amerikaner machen das ganze pauschal und knallhart. Doch auch die europäische Variante zeigt Wirkung: Es gibt Ausweichbewegungen und China versucht einerseits vermehrt hybride Fahrzeuge nach Europa zu exportieren und andererseits Produktionswerke in der EU zu beziehen.
Da stellt sich die Frage: Was ist ein europäischer PKW?
Ja, wir müssen umzudenken und von Donald Trump lernen: es kommt nicht auf Marke und Herkunft des PKWs an, sondern auf die Wertschöpfung im eigenen Land (bzw. der EU). Trump formulierte es etwa so: PKWs, die in anderern Ländern produziert werden, werden in den USA hart besteuert. Subventioniert werden dagegen nur PKWs, die in US-Amerika endmontiert werden. – Nebenbei: Franzosen haben ein CO2 Konstrukt geschaffen, um ausschließlich französische Autos zu fördern und wir? wir fördern aktuell jedes Elektroauto, egal wo es herkommt oder gefertigt wurde, Hauptsache der Käufer in Deutschland ist arm. Das ist eine feine Sozialpolitik – mit Wirtschaftspolitik hat das nichts zu tun!
Helfen reziproke Vorgaben?
In dieser neuen Wirklichkeit, in der volkswirtschaftlich betrachtet nur die PKWs gut sind, die in der EU produziert werden und viele europäische Vorlieferanten haben, dürften wir sogar die Übergabe deutscher Produktionswerke an Leapmotor und BYD neu bewerten und ggf. befürworten? – Wenn ja, sollten wir umgehend eindeutige Voraussetzungen definieren: Wenn chinesische Autobauer in Europa produzieren, so sollten sie unter den gleichen Bedingungen arbeiten müssen, wie deutsche Firmen in China. D.h. in Joint Ventures und mit Knowhow- Übertragung an Europa und einem wesentlichen Teile der Wertschöpfung in der EU. Soweit die Erkenntnis.
Umsetzung:
Zölle, Joint Venture Zwang, verpflichtende Know-how Übertragung etc., das alles kommt nicht von allein, dazu benötigen wir klare politische Entscheidungen, sonst könnte es uns im Extremfall wie Afrika ergehen. Dort arbeiten chinesische Firmen mit chinesischen Mitarbeitern und chinesischen Zulieferteilen ohne die Länder vor Ort zu beteiligen. D.h. wir müssen sofort handeln, denn Billigelektroautos, Made in China, oder auch bald teilweise „Made in Europe“ drängen massiv auf den deutschen Mark und geschaffene Tatsachen sind bekanntermaßen nur schwer zurückdrehen …
Verbrenner:
Nebenbei, ob es in Zukunft noch PKWs mit Verbrennern auf deutschen Straßen geben wird oder nicht, wird an dem Geschildert wenig ändern. Wenn wir nichts besseres zu tun hätten, könnten wir darüber gerne weiter streiten. An der Zukunft der Autoproduktion wird das nichts ändern.
Sehr geehrte EU- Politiker, sehr geehrte Ministerpräsidenten, wir dürfen auf eure zeitnahe Umsetzungskraft gespannt sein, denn auf die wird es ankommen! Wenn ihr weiterdiskutiert, anstatt klare Rahmenbedingungen zu verabschieden, wird das chinesische Automobilzeitalter rechts und links an uns vorbeirollen, mit unabsehbaren Konsequenzen für Arbeitsplätze, Gesellschaft und Demokratie.
Und noch ein Tipp:
Macht nicht wieder den Bock zum Gärtner: Sucht euch Berater, die ihre Boni nicht von den großen deutschen Autobauern erhalten. Ihre Ziele haben mit den wirtschaftspolitischen Themen Deutschlands und Europas wenig gemein.